Hans-Peter Müller

Wagen II

"... Im Surrealen oder Phantastischen begegnen sich archetypische Sinnbilder der Menschheit mit zeitgeschichtlicher Erfahrung. Die eigene Bildwelt beschwört die Glaubwürdigkeit bis zur Wahrscheinlichkeit. Wie aus Erdtiefen, die nach Jahrhunderten und Jahrtausenden zählen, erscheint „Der Wagen II" wider an der Erdoberfläche. ..."

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Hans-Peter Müller | Wagen II, Kupfer | Surrealismus Aktuelle Hans-Peter Müller | Wagen II, Kupfer | 86 cm hoch | 2001
William Morris u. Edward Burne-Jones: Ponoma, 1885

Ob in Gemälden oder Plastiken, Hans-Peter Müller ist ein leidenschaftlicher Archäologe. Er befindet sich seit Jahrzehnten auf der Spurensuche nach verlorenem Wissen und verlorenen Werten der menschlichen Kultur. Zwangsläufig mussten auf der Spurensuche die mythischen Überlieferungen wiederholt in das Zentrum seiner Bemühungen treten. Er besitzt ein sensibles Empfinden für verloren gegangen Ideale und Lebensbilder, die in den eigenen Werken neuen Lebensatem erhalten.

 

Die unbedingte Treue zur humanen Botschaft verbindet sich mit einer Liebe zum Fragmentarischen, das der eigenen Ideenbildung Freiheiten gewährt. Seine Werke können als fiktive Orte der Begegnung vom Zeitebenen und Idealen aus verschiedenen Epochen betrachtet werden. Dabei entstehen aus alten Mythen Fortschreibungen bis in die Gegenwart. Im Surrealen oder Phantastischen begegnen sich archetypische Sinnbilder der Menschheit mit zeitgeschichtlicher Erfahrung. Die eigene Bildwelt beschwört die Glaubwürdigkeit bis zur Wahrscheinlichkeit. Wie aus Erdtiefen, die nach Jahrhunderten und Jahrtausenden zählen, erscheint „Der Wagen II" wider an der Erdoberfläche. Ein Wagen, auf dem drei Pferde mit Reiter eine überlebensgroße Statue begleiten. Hoch über ihren Kopf hält sie eine Schale. 1

 

Was Archäologie der Schatzkammer Erde entreißt, bietet immer wieder Gelegenheit zum sensationellen Rückblick in die Geschichte, Kultur und Lebensweise vergangener und vergessener Zeiten, aus denen sich unsere Gegenwart legitimiert. Hans-Peter Müller weiß um diese Wechselbeziehung und stellt den authentischen Objekten der Archäologie fiktive zur Seite, die die Kraft der realen Fragmente in die eigene Lebenswelt einbringen. Er schenkt einer antikisierten Göttin einen Triumph, einen Umzug mit Ehrengarde. Bezeichnend dabei die unversehrten Partien der Göttin, Zeichen, dass die zerstörende Kraft der Zeit dem Frauenkörper nichts von seinem Glanz nehmen konnte. Eine Metapher auf die bleibende Botschaft des Lebens und die starke Harmonie, die die Göttin verkörpert und zugleich die Huldigung des Künstlers an das Mensch-Sein im Ebenbild der Frau. Während die Gesichter der Reiter bis zur Unkenntlichkeit Opfer des Zerfalls geworden sind, hat das Gesicht der Heroine nicht den Reiz des Lebendigen verloren.

Metallgestalter Müller stilisiert sich zum Prometheus, der nach seinem Bilde Lebensfreude in Fülle gestaltet, ein ferner Verwandter des Pygmalion, dem seine Galatea gelungen ist. Sie hält triumphierend das Gefäß mit den Gaben für ein erfülltes Leben über ihr Haupt und vollzieht damit die Metamorphose von der schönen Frau zur Hüterin der fruchtbringenden Ernten, der Beschützerin der Familien und Haushalte, ein Sinnbild des erfüllten Lebens in der Gemeinschaft. 2

 

Das wäre die Umkehrung jener Episode, die der Vater der europäischen Geschichtsschreibung, Herodot, als Episode aus den Perserkriegen berichtet. Aus der unglaublich vielseitigen Tätigkeit einer Frau zur gleichen Zeit wird die Göttin der vielen Talente und Gaben als Sinnbild des Ertrags aus einem kollektiven friedlichen Tätigseins.

 

 1 Eine Frau, die ein Gefäß auf dem Kopf trägt und Flachs spinnt, während sie ein Pferd führt, erregte die Aufmerksamkeit von König Dareios, so berichtet Herodot im 5. Buch der Historien im 12. Kapitel. Vielleicht ein ideeller Anstoß zu dieser Skulptur.

2 Es liegen Assoziationen zur griechischen Göttin Demeter, der römischen Ceres, nahe. Zu erinnern ist auch an die römische Waldnymphe und Fruchtbarkeitsgöttin Pomona.


Text: Dr. Kuno Schumacher

aus: Aktuell - GEGENSTÄNDLICHE KUNST, Innenansichten – Weltbetrachtungen, GEGENSTÄNDLICHE KUNST IN DEUTSCHLAND 2014

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Letzte Aktualisierung: 02.07.2018

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